Stil
Wortwiederholungen vermeiden: Abwechslung und Fluss im Text
Wie man störende Wortwiederholungen erkennt, welche Techniken wirklich helfen und wann Wiederholungen sogar bewusst eingesetzt werden sollten.
Inhalt
Wer einen längeren Text schreibt, bemerkt irgendwann, dass bestimmte Wörter immer wieder auftauchen. Das passiert automatisch, weil das Gehirn im Fluss bleibt und auf bekannte Formulierungen zurückgreift. Das Ergebnis liest sich stockend und hinterlässt beim Leser das Gefühl, der Autor hätte nicht genug nachgedacht.
Warum Wortwiederholungen stören
Das menschliche Sprachverarbeitungssystem ist besonders empfindlich gegenüber Mustern. Wenn dasselbe Wort in kurzer Folge auftaucht, wird der Aufmerksamkeitsprozess durch das Wiedererkennen unterbrochen. Der Leser stolpert, weil sein Gehirn kurz innehalten muss: “Steht da nicht dasselbe Wort wie gerade eben?”
Besonders stark wirkt das bei Substantiven und Verben. “Das Ergebnis zeigt das Ergebnis der Messung” ist kaum lesbar. “Er entschied, die Entscheidung zu verschieben” klingt nach einem Denkfehler, auch wenn es grammatikalisch korrekt ist.
Wortwiederholungen finden
Bevor man etwas verbessern kann, muss man es finden. Dafür gibt es drei Methoden.
Laut vorlesen: Was das Auge übersieht, hört das Ohr. Wer seinen Text laut liest, stolpert über Wiederholungen fast automatisch.
Absatz für Absatz prüfen: Einen Absatz isoliert lesen und gezielt nach Wörtern suchen, die mehr als einmal vorkommen. In kurzen Texteinheiten fallen Wiederholungen schneller auf als im Gesamttext.
Texteditor oder Tool nutzen: Ein einfaches “Suchen und Ersetzen” im Texteditor zeigt, wie oft ein Wort im Text vorkommt. Manche Schreibwerkzeuge markieren häufige Wörter farblich.
Techniken zum Umformulieren
Synonyme: Der naheliegendste Ansatz, aber mit Vorsicht. Synonyme haben selten exakt dieselbe Bedeutung. “Ergebnis” und “Resultat” sind nah verwandt, aber nicht identisch. Im Zweifelsfall lieber eine Wortwiederholung als ein Synonym, das nicht ganz passt.
Pronomen: Wenn ein Begriff bereits eingeführt ist, kann man ihn durch ein Pronomen ersetzen. Aus “Das Unternehmen hat seine Strategie angepasst. Das Unternehmen arbeitet jetzt effizienter” wird “Das Unternehmen hat seine Strategie angepasst. Es arbeitet jetzt effizienter.”
Satz umstrukturieren: Manchmal ist Umformulieren einfacher als Synonym suchen. Wenn “Lösung” zweimal im Absatz steht, kann man einen der Sätze so umbauen, dass das Wort gar nicht mehr gebraucht wird.
Oberbegriff verwenden: Wenn “Hammer”, “Schraubenzieher” und “Säge” alle drei im Text auftauchen, kann man manchmal “Werkzeug” als zusammenfassenden Begriff einsetzen.
Ellipse: Den Begriff beim zweiten Vorkommen weglassen, wenn der Kontext ihn klar macht. “Die erste Variante ist einfach, die zweite komplex” statt “Die erste Variante ist einfach, die zweite Variante ist komplex.”
Das Tool als erster Schritt
Das Paraphrasieren-Tool eignet sich gut dafür, einen Absatz mit häufigen Wiederholungen einzugeben und Varianten zu erhalten. Diese sind nicht immer direkt verwendbar, bieten aber Impulse für die eigene Überarbeitung.
Wann Wiederholungen bleiben sollten
Nicht jede Wiederholung ist ein Fehler. Drei Ausnahmen sind wichtig.
Fachbegriffe: In technischen oder wissenschaftlichen Texten haben Begriffe präzise Bedeutungen. Einen Fachbegriff durch ein ungenaues Synonym zu ersetzen, ist schlimmer als ihn zu wiederholen. “Die Kompression des Gases” durch “das Zusammenpressen des Stoffes” zu ersetzen, hilft nicht.
Kohärenz durch Wiederholung: Wenn ein Text ein zentrales Konzept verfolgt, darf und soll dieses Wort mehrfach auftauchen. Es verbindet die Gedanken im Text und signalisiert dem Leser, dass alles zusammengehört.
Rhetorische Figuren: Anapher, Epiphora, Parallelismus: Alle drei beruhen auf bewusster Wiederholung. “Ich kam, ich sah, ich siegte” funktioniert nur durch die dreifache Wiederholung der Personalform.
Typische Problemwörter
Einige Wörter tauchen in deutschen Texten besonders häufig auf, ohne dass man es bemerkt. Dazu gehören:
“auch”, “zudem”, “darüber hinaus” als Übergänge zwischen Sätzen. Wer in jedem Satz “auch” verwendet, verliert schnell die Wirkung. Alternativ: Sätze einfach aneinanderreihen, “ebenfalls”, “dazu kommt”, “außerdem”.
“sehr”, “wirklich”, “besonders” als Verstärker. Diese Wörter verlieren ihre Verstärkungswirkung, wenn sie zu häufig benutzt werden. Oft ist ein präziseres Adjektiv besser als ein schwaches Adjektiv mit Verstärker.
“machen” als Universalverb. “Eine Entscheidung machen”, “einen Fehler machen”, “Fortschritt machen”. In vielen Fällen gibt es ein präziseres Verb: entscheiden, irren, vorankommen.
Zusammenfassung
Wortwiederholungen entstehen aus Gewohnheit und Schreibfluss. Sie fallen dem Autor selbst weniger auf als dem Leser. Das Mittel dagegen ist systematisches Überarbeiten: laut lesen, absatzweise prüfen, Synonyme mit Bedacht einsetzen und Sätze umstrukturieren, wenn Synonyme nicht passen.
Häufige Fragen
Sind alle Wortwiederholungen schlecht?
Nein. Absichtliche Wiederholungen schaffen Rhythmus, Betonung und Kohärenz. Ein Stilmittel wie die Anapher, bei der jeder Satz mit demselben Wort beginnt, ist bewusste Wiederholung für Wirkung. Unbeabsichtigte Wiederholungen im selben Satz oder Absatz stören dagegen den Lesefluss.
Wie weit darf dasselbe Wort im Text nicht erneut auftauchen?
Als Faustregel gilt: Dasselbe bedeutungsstarke Wort sollte in einem Absatz nicht mehr als einmal vorkommen, es sei denn, es ist ein Fachbegriff ohne gute Alternative. Füllwörter und Funktionswörter wie 'und', 'der', 'die', 'das' gelten nicht als störende Wiederholungen.
Quellen
- Wolf Schneider: Deutsch! Das Handbuch fuer attraktives Schreiben, Rowohlt 2005
- Ludwig Reiners: Stilkunst, C.H. Beck 1991 (Neuausgabe)
Über die Autorenschaft
Mateusz Viola
Betreiber und redaktionelle Verantwortung paraphrasieren-tool.de
Themengebiet: Mathematik, Kalenderrechnung, Schaltjahre, Statistik und ISO 8601
Mehr über Mateusz Viola →Verwandte Artikel
Grundlagen
Was ist Paraphrasieren? Grundlagen und Definition
Paraphrasieren bedeutet, einen Text mit eigenen Worten wiederzugeben. Hier erfahren Sie, was das Konzept ausmacht, wozu es dient und wie es sich von anderen Schreibtechniken abgrenzt.
Lesezeit 6 Min.
Wissenschaft
Paraphrasieren vs. Zitieren: Was ist der Unterschied?
Wann zitiert man wörtlich, wann paraphrasiert man? Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede, zeigt typische Fehler und gibt praktische Entscheidungshilfen für wissenschaftliche Texte.
Lesezeit 7 Min.
Methode
Paraphrasieren Techniken: Satzbau, Synonyme und Perspektivwechsel
Drei bewährte Techniken zum Umschreiben von Texten: Satzbauveränderung, Synonymeinsatz und Perspektivwechsel. Mit konkreten Beispielen und Übungshinweisen.
Lesezeit 7 Min.